DAS REZEPT FÜR GELUNGENE LANDSCHAFTSAUFNAHMEN
Viele Fotografen (Hobby sowie auch Berufsfotografen) sind auf der Suche nach der einen Formel, dem einen Rezept, welches generell zu guten Fotografien führt. Diese eine Formel gibt es im Grunde genommen nicht; denn jeder Fotograf ist sein eigener Koch. Was ich aber folgend liefern kann, ist mein persönliches Rezept zum gelungenen Bild.

Die Entscheidung
Eine Fotografie entsteht nicht bei der Idee, sondern in erster Linie bei der Entscheidung, sich voll und ganz der Fotografie zu verschreiben. Und damit ist nicht gemeint, sich eine 10'000 Euro teure Ausrüstung zu kaufen. Damit meine ich, sich zu entscheiden, künftig sehr viel Zeit und Energie in das Suchen vom geeigneten Licht und dem einen Ort im einen Moment, zu investieren. Im Gegensatz zu einem Schnappschuss, entsteht eine Fotografie nur selten durch Glück, in den meisten Fällen mit harter Arbeit, dem gewissen Auge, einem technischen Flair, einer prise Talent, einer bestimmten Gabe zur Beobachtung und natürlich mit viel Zeit. Man entscheidet sich somit als allererstes, sich der Fotografie voll und ganz zu verschreiben.

Technische Basis
Zu wissen, wie man die Kamera bedient, was eine Blende, eine Verschlusszeit und ein ISO-Wert ist, gilt als Vorraussetzung für technisch gelungene Bilder. Ich schreibe absichtlich «technisch gelungene Bilder» und nicht «gute Bilder» da dies nicht das Selbe ist. Mehr dazu jedoch später.

Dieser technische Punkt stellt die erste Hürde in der Fotografie dar, da das Erlernen des Zusammenspiels einzelner fotografischer Regeln (3-Satz Blende–Verschlusszeit–ISO) vielen technisch nicht versierten Menschen zum Verhängnis werden kann. Entgegen jedoch dem Erlernen eines Musikinstrumentes, welches Monate oder meist Jahre in Anspruch nimmt, ist dieser Punkt der Fotografie in zwei bis drei Tagen spielend leicht erlernbar.

Übung macht den Meister – Routineeinstellungen
Dieser Punkt schliesst direkt an den vorherigen Punkt an. Die schönsten Momente, in denen Licht und Farbe sowie alle weiteren Faktoren perfekt sind, dauern nicht lange und sind nach einigen Sekunden bis maximal Minuten vorrüber. In solchen Momenten muss alles schnell gehen und die Kamera soll quasi blind bedient werden können. Damit man sich in solchen Momenten nicht mit Fragen wie «welche Blende soll ich wählen?» herumschlagen muss, sollte eine gewisse Routine vorhanden sein.
Als Beispiel 1; Bei Sonnenaufgängen steht die Kamera bereits fix eingestellt auf dem Stativ mit folgenden Einstellungen; BLENDE 13 (Bei Vollformat / Bei CROP Blende 11) – ISO 50 oder 100 – POL-Filter – GND Filterhalter aufgeschraubt, GND-Filter liegen daneben, bereit zur Anwendung, Spiegelvorauslösung aktiviert, Timer auf 2 Sekunden, Bildstabilisator OFF, Dateiformat RAW (Zu Beginn RAW & JPEG).
Als Beispiel 2; Die Kamera wird im Fotorucksack bereits mit einer Einstellung gelagert, die ein rasches Benutzen erlaubt. BLENDE 9 (Bei Vollformat ( Bei CROP Blende 7.1) – ISO 200 – POL-Filter – GND Filtertaschen griffbereit – ONE SHOT (Bei Canon), AF-S (Nikon / Sony) – Bildstabilisator ON, Dateiformat RAW (Zu Beginn RAW & JPEG).

Die Kamera als ständiger Begleiter
Als Beginner in der Landschafts- und Naturfotografie wird man meist von den «einen Momenten» überrascht. Häufig liegt die Kamera dann zuhause in der Tasche bereit. Die Kamera ist immer mit dabei. Wer nicht bereit ist, diese 3–5 Kilo Grundausrüstung mit sich herumzutragen, ist zum Scheitern verurteilt.

Mit offenen Augen durchs Leben gehen und beobachten
Viel wichtiger als das der technische Aspekt ist der künstlerische. Die Foto-Technik kann man leicht erlernen, das fotografische Auge zu schulen, bedarf einem weitaus grösseren Engagement und Zeitaufwand. Ein guter Fotograf ist dies 24 Stunden am Tag. Die grösste Kunst ist es wohl, aus dem Wetter schlau zu werden. Das A und O in der Landschaftsfotografie sind die Wolken und das Licht. Diese erzählen einem so gut wie alles und erlauben es, einige Stunden in die Zukunft zu blicken, ohne das Wetterapp auf dem iPhone zu zücken. Die gänzlich schlechtesten Wetterverhältnisse für sehr gute Landschaftsaufnahmen sind sehr schöne Tage mit blauem, wolkenlosem Himmel sowie trübe Regentage, in denen der Himmel nur einen Ton aufweist, WEISS oder GRAU. Die besten Bedingungen für spektakuläre Aufnahmen bietet der Moment zwischen einem Tief- und Hochdruckgebiet. Klare, saubere Luft und somit weite Sicht, vereinzelte Wolken. Die schönsten Sonnenauf- und Untergänge durfte ich jeweils kurze Zeit nach dem Vorbeiziehen von Gewitter-, Regen- und Schneezellen erleben. Der wolkenlose, blaue Himmel scheint im ersten Moment der verlockendste zu sein, ist jedoch an Langeweile kaum zu übertreffen. Farblose Sonnenauf- und Untergänge, starke Polarisationsflecken bei POLFILTER-Anwendung, kontrastlose Himmel, etc.
SFO-TIPP; Viele Bergstationen und hohe Gebäude verfügen über hochauflösende Webcams. Ein Besuch ausgewählter Webcams gibt häufig Aufschluss über aktuelle Wetter- und Sichtverhältnisse in den jeweiligen Gebieten.

Vorbereiten und Planen eines Fotoausfluges / einer Fotoreise
Heute verfügen Fotografen über gigantische Hilfmittel wie Google Earth, welche eine minutengenaue Berechnung der Schattenzeit an allen Punkten der Welt berechnen lassen oder Bilder eines bestimmten Ortes von anderen Google Usern zeigen. Dank guter Planung im Vorfeld sparen Sie sich die Zeit vor Ort beim Suchen nach einem Hügel, der eine freie Sicht auf die Sonne beim Sonnenuntergang ermöglicht. Für iPhonebenutzer kann ich das Tool TPE for IOS sehr empfehlen. Dazu wird die Welt dank guten und günstigen Fotobuchherstellern wie BLURB von Fotobüchern und Bildbändern aller Art überschwemmt. Es war nie einfacher, eine fotografische Reise zu planen.

Eine Fotoreise ist keine Ferienreise / Ein Fotoausflug ist kein Erholungsausflug
Eine Woche lang auf Fototour zu gehen, ist in keinster Weise mit einer Woche Ferien am Strand zu vergleichen. Man hat zu wenig Schlaf, fährt täglich zu viele Kilometer, wartet auf den einen Moment, statt in einem Restaurant ein Abendessen oder Frühstück zu geniessen, wandert oder fährt dutzende von Punkten ab, die bei bestimmten Wetterstimmungen oder Tageszeiten ideale Fotopunkte ergeben könnten. Wenn jedoch dann das eine Bild, im rechten Moment aufgenommen entsteht, entschädigt das jeden Fotografen tausendfach. Ein guter Landschaftsfotograf ist ein Jäger, wenn nicht gar ein Sammler solcher Momente.
SFO-TIPP 1; Viele Fotografen haben bekannte Bilder anderer Fotografen im Kopf und besuchen jene Punkte, um dieses Bild zu rekonstruieren. Gutes Beispiel; Delicate Arch im Arches Nationalpark oder Stellisee mit Spiegelndem Matterhorn in der Schweiz. Abertausende Fotografen schiessen jährlich Bilder, die kaum bis gar nicht von einander unterschieden werden könnten, dabei wimmelt es auf dieser Erde nur so von fotografisch bemerkenswerten Punkten, die wenig bis gar nie fotografiert worden sind. Diese zu finden und perfekt ins Licht zu setzen, ist meiner Meinung nach das grösste Ziel eines Fotografen. Leider entspricht der Bild-Käufermarkt nicht diesem Ziel, denn Käufer (Agenturen, Privatkäufer, etc.) möchten zum grössten Teil Bilder von bekannten Motiven und hohem Wiedererkennungswert.
SFO-TIPP 2; Wenn im Reiseführer eine empfohlene Zeitangabe steht, z. B. «Für diesen Küstenabschnitt werden zwei Tage empfohlen.» verdoppeln Sie diese Zeitangabe. Buchen Sie wenn möglich ebenfalls keine fixen Hotelnächte, es kommt nicht selten vor, dass man beim ersten Besuch eines Landes an einem wundervollen Ort hängenbleibt. Aus berufsfotografischer Sicht empfehle ich, die Reise wie geplant weiterzuführen, da ein Portfolio so vielseitig wie möglich sein muss und diese Vielseitigkeit grösser wird, umso weiter man herumreist.

Fazit; Versuchen Sie nicht; bereits bekannte Bilder zu rekonstuieren. Suchen Sie nach neuen Fotosujets und entwickeln Sie schnellstmöglich Ihre ganz eigene Art der Fotografie. Geben Sie Ihren Bildern Ihren persönlichen Charakter. 

Spezialisieren Sie sich
Die Fotografie ist äusserst vielseitig und reicht von der Hochzeits-, über die Makro-, Natur- und Landschaftsfotografie bis hin zur People-, Fashion- und Foodfotografie. Viele Entdecker der Fotografie machen den Fehler, dass Sie gleich alle Bereiche abdecken möchten; dies ist möglich, bringt Sie jedoch in keinster Weise weiter. Nur wenn Sie sich auf eine Sparte der Fotografie beschränken und spezialisieren, haben Sie die Chance, darin etwas zu erreichen.

Werden Sie nicht zum Kamera und Objektivtester
Die Karriere vieler Hobbyfotografen endet in der übermässigen Freude an Technik, Auflösung und Objektivschärfeskala. Abertausende von Fotografen tummeln sich in den grössten Fotoforen der Welt (dpreview, fotocommunity, etc.) und vergessen vor lauter Technikverliebtheit ganz, dass Kameras erschaffen worden sind, um damit zu fotografieren und nicht, um zu testen, ob das Objektiv X bei Brennweite X und Blende X Chromatische Aberrationen am Randbereich aufweist. Viel zu viele Fotografen denken noch immer, dass die beste Kamera in Kombination mit dem besten Objektiv automatisch die besten Bilder schiesst. Kaufen Sie eine Kamera und ein Objektiv, das Ihrem Budget und Ihren Anforderungen entspricht und gehen Sie fotografieren, statt tagelang Vergleiche mit teureren und besseren Kameras und Objektiven zu lesen oder gar zu verfassen.

Ein Bild entsteht hauptsächlich HINTER dem Sucher
90 % einer Fotografie werden definiert durch folgende Punkte: (also hinter dem Sucher)
– Im richtigen Zeitpunkt am richten Ort zu sein
– Den Bildausschnitt- und Aufbau optimal zu wählen
– Mit Filtern (Grauverlauffilter, Graufilter oder POL-Filter) umgehen zu können
– Das Bild anschliessend richtig auszuwählen, zu verarbeiten und am richtigen Ort zu publizieren
– Die Kamera technisch richtig einzustellen (Blende, Verschlusszeit, ISO, Belichtungsmessung, etc.)

10 % einer Fotografie hängt von Ihrer Ausrüstung ab (also vor dem Sucher)
– Auflösung und Bildqualität; abhängig vom Objektiv und Kamera

Früh aufstehen und warten lohnt sich
Von 10 mal des früh Aufstehens erlebt man ein bis zweimal eine solche Situation, wie man sie sich vorstellt (bunter Sonnenaufgang, ein gesuchtes Tier, etc.) – Lohnen tut es sich jedoch immer. Ich selbst fahre in der Regel gut mit der Sternchentechnik.
SFO-TIPP Sternchentechnik; Ich wecke mich auf den Reisen jeweils 1–2 Stunden vor Sonnenaufgang, gehe nach draussen und suche nach Sternen. Falls ich nur schon einen Stern erblicke, geht die Reise zum Sonnenaufgangspunkt los. Falls kein Stern sichtbar ist, oder es regnet, wird dieser Test 30 min vor Sonnenaufgang wiederholt. Falls bis dann keine Besserung eintrifft, geniesse ich den auf Fotoreisen grundsätzlich zu kurz kommende Schlaf.

Werden Sie zum Filterprofi
Altbewährte Filter wie der Pol-, Grau- und Grauverlauffilter werden seit Jahrzehnten von Fotografen genutzt. Daran hat sich bis heute nicht viel geändert. Einzig die Grauverlauffilter können teilweise bereits mit digitalen Verlaufsfiltern wie in Lightroom 3 und 4, CS5/6 oder Capture One simuliert werden. Einen verlustfreien digitalen Ersatz für einen Grauverlauffilter der Stärke 0.9 oder 1.2 / 1.5 gibt es jedoch nicht. Der Grauverlauffilter beispielsweise ist am einen Ende transparent und am anderen abgedunkelt und kann so zu helle Teile im Bild abdunkeln, dass sie auf dem Foto so aussehen wie man es mit dem Auge sieht. Ein sehr einfaches Prinzip, das die Sichtweise des menschlichen Auge simulieren soll. Ein guter Landschaftsfotograf arbeitet mit diversen Filtern und zwar so, dass deren Verwendung keine sichtbaren Spuren hinterlässt. Beispielsweise ein harter Grauverlauffilter produziert bei falscher Verwendung eine harte Abdunklungslinie im Bild. Wie man mit Filtern umgeht, erfahren Sie HIER.

Photoshop anwenden, OHNE dem Rest der Fotografenwelt einen schlechten Ruf zu bescheren
Photoshop ist ein extrem nützliches und wichtiges Tool. Untalentierte Fotografen, welche ihre Bilder versuchen mit Photoshop zu verschönern und 1000 % mehr Farbe ins Bild bringen, haben den Ruf des Fotografens massiv geschädigt. Aktuell wird die Glaubwürdigkeit des Landschaftsfotografen immer mehr und mehr untergraben. Ca. 90 % aller Bildbetrachter behaupten mittlerweile beim Anblick eines Kalenderbildes grundsätzlich, dass dieses bearbeitet ist und es in Wirklichkeit nicht so ausgesehen haben kann. Diese Entwicklung ist vor allem für jene Berufsfotografen schmerzhaft, die die Hälfte des Jahres in der Natur unterwegs sind, auf der Suche nach dem perfekten Sonnenauf- oder Untergang, dem perfekten Licht oder der einen Wolke. Während 6 Monaten harter Arbeit und unerbitterlicher Suche gelingen einem dann im besten Fall ein Dutzend solcher Bilder. Bei diesen, so geht es zumindest mir, wird der Farbregler bei Photoshop gar massiv zurückgenommen. 
Fazit: Wenn der Himmel beim Zeitpunkt der Aufnahme nicht rot war, dann belassen Sie es dabei und vergewaltigen Sie den Photoshop nicht dazu, etwas zu erschaffen, das nicht so war. Durch viele tausende schlechter Versuche, mit Photoshop ein Traumbild zu erschaffen, haben die Bildbetrachter so weit gebracht, an uns Fotografen zu zweifeln und unsere Arbeit dauerhaft zu hinterfragen.

Fotografieren statt schiessen
Die häufig gehörte Aussage, dass das Fotografieren heute einfacher geworden ist, als früher, kann ich nicht bestätigen. Wie bereits im Punkt «Fotografien entstehen hinter der Kamera» erwähnt, macht die Technik nur einen kleinen Teil eines guten Bildes aus. Der Automatikmodus kann noch so intelligent sein, den «perfekten» Bildaufbau und Ausschnitt sowie den richtigen Moment des Auslösens kann und wird er nicht automatisch finden können. Wenn man sagen würde, dass das Erstellen eines technisch scharfen und gut belichteten Bildes einfacher geworden ist, lautet die Antwort ganz klar JA. Doch ein scharfes und helles Bild ist noch kein gutes.
Seit der Einführung der Belichtungsreihe (Die Kamera nimmt 3–11 Aufnahmen unterschiedlicher Belichtung des selben Sujets auf) werden immer mehr Fotografen zu Maschinengewehrschützen. Wenn man nicht fähig ist, die Belichtung genau zu ermitteln, lässt man die Kamera eine Belichtungsreihe aufnehmen und setzt diese später zum HDR zusammen oder wählt das eine Bild, das die beste Belichtung aufweist. Dadurch entstehen bei einzelnen Fotografen schnell einmal 5'000–8'000 Bilder pro Woche. Anschliessend beklagen sich diese, dass das Sortieren und Bearbeitung Wochen bis Monate in Anspruch nimmt. Der beste Denkansatz wäre es, sich vorzustellen, dass jedes Bild wie zur Analogzeit etwas kostet. Dadurch spart man Speicherplatz, Akkus und viel Zeit und Arbeit.

Die Crème de la Crème
Sitzt man nun letzten Endes vor dem Computer und wühlt sich durch die entstandenen Bilder, kommt einer der schwersten Parts überhaupt; das Auswählen der besten Bilder. Das Ziel ist es, 90 bis 95 % der Bilder zur Seite zu legen und die 5–10 % der Bilder (die Creme de la Creme) in RAW Konvertern weiterzuverarbeiten. 

 Zeigen Sie Ihre Bilder
Zu guter letzt geht es darum, die entstandenen Bilder der Welt zu zeigen. Dafür gibt es verschiedene Wege. Der effizienteste ist mit Sicherheit eine eigene Website mit einer ansprechenden Galerie. Eine weitere Möglichkeit ist das Produzieren von Bildkalendern oder Fotobüchern. Zweifellos die schönste, jedoch teuerste Variante ist das Drucken der Bilder auf Fotopapier und Erstellen eines gerahmten Wandbildes.

Stefan Forster