DJI Phantom 4 Pro - Der neue Stern am Himmel - Der erste Praxistest

Der folgende Testbericht ist aus der Perspektive eines Landschaftsfotografen geschrieben. Ich bin meist an den entlegendsten Orten unterwegs und erreiche meine Punkte meist nur mit mehrstündigen / mehrtägigen Wanderungen. Drohnen kommen bei mir nur in 5-10% aller Bilder zum Einsatz, ALLE ANDEREN BILDER entstehen vom Boden (zu Fuss) oder vom Wasser (Kayak). Angefangen hat bei mir die Drohnenfliegere vor 3 Jahren und ich interessierte mich weniger für die Drohne als mehr dafür die Kamera in andere Perspektiven anzuheben. Begonnen hab ich mit einer DJI S1000, welche inkl. aller Akkus, Ladegeräte, Remote, etc. in zwei Kisten auf rund 32 Kg Gewicht kam. Dieses ganze Material reiste mit mir in die Antarktis, Patagonien (Chile und Argentinien), Namibia, Island, Färöer Inseln, Norwegen, etc. Die Qualität der S1000 war immer sensationell, ABER der Aufwand das Gerät dort hin zu bringen exorbitant und teuer. Die Flexibilität war auch nicht gegeben und so wartete und hoffte ich auf eine Erlösung aus dem Hause DJI: 

Als einer der wenigen Auserwählten der Welt hatte ich die vergangenen Monate die Möglichkeit und Ehre die neue Phantom 4 Professional welche heute (15.11.2016) vorgestellt wurde, zu testen und bei der Entwicklung dieser kleinen fliegenden Superkamera mitzuhelfen. Die Herren aus Hongkong sagten mir schon beim ersten konkreten Gespräch dass DJI bei der Phantom 4 Pro speziell auf die Wünsche und Ansprüche der professionellen Fotografen eingegangen sei.

Rund drei Tage nach der Detailbesprechung und den ganzen Verträgen kam dann auch schon das Paket aus der Protypen-Werkstatt von DJI. Das Ding war noch total voller Kleber und handgezeichneten Skizzen und doch hatte es abgesehen von einigen markanten Änderungen wie der deutlich grösseren Kamera und Rundumsensoren eine auffallende Ähnlichkeit mit der Phantom 4. Nach weit über 800 Flugstunden mit diversen Drohnen wie dem DJI S1000 / Matrice 600 / Inspire und Phantom 4 konnte ich mich ja nicht über fehlende Erfahrung beklagen, doch einen einzigartigen Prototypen fliegen zu lassen, war doch ein wenig nervenaufreibend. Man kann im Falle eines Absturzes ja nicht einfach in einen Laden gehen und eine neue kaufen.

Nach der Aussage von DJI, diese Drohne für anspruchsvolle Fotografen gebaut zu haben, hatte ich grosse Erwartungen an den kleinen handlichen Quadkopter. Einen Tag nach Erhalt der Phantom 4 Pro ging es auch schon für einen Monat nach Island - in das Land der Starkwinde, Regenschauer und extremen Kontraste.

Der Aufstieg in die Profiliga
Schon nach einem halben Tag mit der Phantom 4 Pro und dem Betrachten der ersten Bilder in Lightroom war für mich der Fall klar. Es würde für mich NIE wieder eine DJI S1000 oder Inspire Pro geben. Keine Frage, die S1000, Matrice 600 und Inspire haben ihre Berechtigung, doch sind dies Drohnen für professionelle Filmteams, welche die Geräte zu zweit bedienen und wohl auch nicht so abgelegen operieren wie ich das tue. Die Bildqualität der neuen Phantom 4 Pro Kamera knallte sämtliche bislang gesehenen Bilder (Bildqualität der Fotografie) der Inspire X5 und aller Phantoms an die Wand. Der neue 20 Megapixel Sony Exmor R Sensor und die Top Optik mit wundervollen 24mm Brennweite (35mm Standard), in Zusammenhang mit einem guten Autofokussystem und variabler Blende zaubern ein 44 Megabyte grosses RAW Bild auf die Speicherkarte, die in Punkto Bildqualität und Dynamikumfang locker mit Spiegelreflexkameras von vor 4 Jahren mithalten können.

Bei ISO 100 entlockt man gar einem massiv zu dunklen Bild wieder alle Details sowohl in den zu dunklen als auch zu hellen Partien. Die minimale Randunschärfe der Bilder sei der Optik verziehen, da diese wirklich grössenmässig nicht mit den grossen Linsen verglichen werden kann. Was ich vorher mit der Phantom 4 nur mit mehrzeiligen Panoramaaufnahmen mühsam hinkriegte, gelingt nun mit einem Bild und zwar in verzugsfreier 24mm (Adäq. 35mm) Brennweite.

Ich bezeichne die Phantom 4 Pro ohne Übertreiben als Meilenstein der Drohnentechnologie. Die Bildqualität der Kamera, kombiniert mit diesem kleinen widerstandsfähigen Multikoptergehäuse, vollgepackt mit Sensoren ist so gut, dass ich mir ernsthaft Gedanken dazu machen muss, wie der Fotografenberuf sich ändern wird, wenn plötzlich jeder mit einer Phantom 4 Pro im Rucksack herumlaufen wird. Zu einem meiner Meinung nach viel zu tief angesetzten Preis von gerade einmal 1699 Euro, erhält man eine fliegende D-SLR Kamera. Als bislang erste Drohne der Welt liefert die Phantom 4 Pro nun auch 60 Bilder pro Sekunde in 4K (die Inspire 2 nun auch), was zu wunderschönen Slow-Motion-4K Filmaufnahmen führt. Für mich als Landschafts- und Naturfotograf der je länger je mehr filmt eine extrem erfreuliche Neuerung. Was gibt es schöneres als ein hochwertiger 4K Film, welcher in Zeitlupe hereinbrechende Wellen im Abendlicht oder einen gewaltigen Wasserfall von oben herab in Zeitlupe gefilmt zeigt?


Fluch und Segen zugleich
Viele Fotografen, egal ob beruflich oder hobbymässig, inklusive mir belächeln die kleinen Phantom Drohnen. Einige wenige waren bereits bei der Bildqualität der Phantom 4 so begeistert, dass sie diese kauften, doch den meisten waren die 12 Megapixel, der kleine Sensor und die verzogene Optik doch noch zu wenig. All jene werden bei der Phantom 4 Pro nun kaum noch widerstehen können. Mit der P4P erarbeitete sich DJI den Weg in die Profiliga. Die Verkaufszahlen dieser „Neuen“ werden wohl alle anderen in den Schatten stellen - so kommt bei mir automatisch die Frage auf; wo und wie werden die ganzen neuen Hobby-Drohnenpiloten nun fliegen?
In den vergangenen 3 Jahren nutzte ich die grossen Multikopter auf allen meinen Fotoreisen um die Perspektive meiner Fotografie zu erweitern (http://stefanforster.com/photography/content/oktokopter-luftaufnahmen#/s...).

Während diesen drei Jahren veränderten sich die Gesetze und Reaktionen der Mitmenschen gegenüber Drohnen drastisch. Noch vor 3 Jahren hatte ich bei meinen Übungsflügen eine ganze Traube von begeisterten Zuschauern um mich herumstehen, mittlerweile wird man mit bösen Blicken gestraft und häufig mit Polizei und Bussen bedroht. Schuld daran ist wohl die verloren gegangene Einzigartigkeit dieser Drohnen und die extrem negative Meldungsflut, welche die internationale Presse in den vergangenen 2 Jahren auf der Welt verbreitete. Und ja - Schuld daran sind auch wir Drohnenpiloten, vor allem jedoch all jene, die an Touristenorten inmitten der Menschenmengen starten und tief über den Köpfen herumsurren. Ich appelliere an alle, die sich dieses wundervolle Gerät nun kaufen werden. Haltet die Regeln ein, fliegt nicht, wo Leute sind, fliegt nicht über Privateigentum, fliegt nicht über Wildtiere die in gefährlichem Terrain stehen oder in eine Schock Reaktion kommen, fliegt nicht höher als die gesetzliche Regel es in dem Land zulässt. Drohnen sind eine sensationelle Erfindung und bislang hat es noch keine tödlichen Unfälle gegeben. Beim rasanten Anstieg der Verkaufszahlen kann sich das jedoch bald einmal ändern. Wir teilen den Luftraum mit Rettungshubschraubern, Segelfliegern, Kleinflugzeugen, Gleitschirmfliegern und anderen von Drohnen gefährdeten Fluggeräten . Eine Drohne kann ersetzt werden, nicht so das Leben unserer Mitmenschen.

Mein Arbeiten mit den Drohnen wird im folgenden Video beschrieben: bitte unten rechts CC wählen für Untertitel. 

BILDERGALERIE PHANTOM 4 PROFESSIONAL - BRAND NEUE BILDER