Fotograf - Ein Beruf im Wandel

Veröffentlicht man ein fantastisches Bild (egal ob Berufs- oder Amateurfotograf), fallen meist noch vor der eigentlichen Bewertung des Bildes Aussagen wie „Photoshop macht alles möglich“ oder „Mit Deiner Kamera ist das ja keine Kunst“. Jene schon viel zu oft gehörten Aussagen motivieren mich dazu die folgenden Zeilen zu schreiben.

Die professionelle Kamera
Um die folgenden Punkte verstehen zu können, muss man das Funktionsprinzip einer Kompakt-Digitalkamera und jenes einer professionellen Digital-Spiegelreflexkamera verstehen. 
Die Bilder einer kompakten Digitalkamera werden bereits während der Aufnahme mit rund 20-30% Sättigung, 50% Kontrast und 50% softwaretechnischer Dynamikumfang-Erhöhung so stark bearbeitet, dass das fertige Produkt, welches schlussendlich auf dem Display zu sehen ist, den meisten direkt zusagt. Je teurer und professioneller die Kamera, umso weniger stark werden diese Bilder direkt bei der Aufnahme kameraintern bearbeitet. Somit sieht ein Bild einer identischen Landschaft, geschossen mit einer handelsüblichen kompakten Digitalkamera in allen Fällen viel besser aus als jenes der 20‘000 Euro teuren Profikamera.

JPEG und RAW

Moderne Kameras zeichnen ein Bild in zwei Dateiformaten auf; im komprimierten JPEG-Format und im professionellen, sprichwörtlich roh belassenen, RAW Format. Das JPEG Bild der Kamera wird in jedem Fall bereits kameraintern bearbeitet (Schärfe, Kontrast, Sättigung, Farbton) - All jene Fotografen, die also behaupten, ihre Bilder seien nicht bearbeitet, verbreiten Unwahrheiten. JPEG nützt lediglich einen kleinen Teil der Sensorfähigkeit aus; wenn jedoch der gesamte Licht- und Farbumfang des Sensors verwendet werden soll, muss die Kamera auf „RAW“ umgeschaltet werden. Bei dieser Einstellung erstellt die Kamera bei der Aufnahme einen vielfach grösseren Container, welcher sämtliche vom Sensor erfasste Licht- und Farbinformationen beinhaltet. Ein RAW Bild sieht jedoch aufgrund dieser Fülle an hintereinander angeordneten Informationen unbrauchbar aus und MUSS in jedem Fall mit einem RAW-Konverter entwickelt werden. Diese RAW-Datei ist nichts anderes als ein digitales Negativ einer Kamera, das zuerst entwickelt werden muss, damit ein fertiges Foto entsteht. Wie bereits in der Analog-Fotografie, werden auch in der Digital-Fotografie bei diesem Schritt der Farbton, die Farbtiefe sowie sämtliche Details ans „Licht“ gebracht. Um eine realistische Farbdarstellung im Bild zu erreichen, ist es zwingend notwendig, dass RAW-Format schnellstmöglich nach der Aufnahme im entsprechenden Konverter zu entwickeln, bevor der Fotograf die Stimmung und Farben, welche während der Aufnahme herrschten vergisst.

RAW-Entwicklung oder Manipulation
Mein höchstes Ziel in der Fotografie ist es, ein Bild so zu entwickeln, dass es exakt jenen Farben und Stimmungen entspricht, welche vor Ort herrschten. Dies ist jedoch eine äusserst schwierige Herausforderung, die niemandem richtig und nur den wenigsten annähernd gelingt. Leider ist nicht allen Bildbetrachtern bewusst, wie wunderbar und farbenfroh unsere Planet zum richtigen Zeitpunkt am richten Ort ist. Nur wenige erleben eine frisch verregnete tiefrote Sanddüne in Namibia, ein starkes Nordlicht nach einer Sonneneruption, fotografiert inmitten von kristallklaren Eisbergen, ein selten fotografierter, blutroter Cerro Torre in Patagonien oder die fantastischen, türkis und azurblau schimmernden Wasserfälle des Plitzvicer-Nationalparks. All jenen, die diese Aufnahmen für unnatürlich, gar „kitschig“ halten, würden wir Fotografen nur zu gern ein Ticket zu den jeweiligen Orten kaufen und ihnen vor Ort zeigen, welchen Farbumfang uns unser blauer Planet tagtäglich präsentiert.
In der Fotografie unterscheidet man hauptsächlich zwischen RAW-Entwicklung und Manipulation. Das höchste Ziel der RAW-Entwicklung (zumindest in meinem Fall) ist die originalgetreue Darstellung, der zum Zeitpunkt der Aufnahme herrschenden Farben und Stimmungen. Das Ziel der Manipulation jedoch ist es, Farben und Stimmungen zu schaffen, die nicht jener / jenen entsprechen, die die Natur zum Zeitpunkt der Aufnahme präsentierte.
Genau jenen leider viel zu oft praktizierenden Fotografen, welche ihre Bilder manipulieren, haben Berufs- Natur- und Landschaftsfotografen diese rapide sinkende Wertschätzung zu verdanken. Der Grossteil der Öffentlichkeit ist heutzutage der Meinung, Aufnahmen entspringen mehr den modernen Computerprogrammen denn den Fähigkeiten des Fotografen.

HDR - NEIN DANKE
Ich werde viel gefragt, ob ich meine Bilder mit der so genannten HDR-Technik aufnehme. Bei dieser Fotografieart wird das Sujet unterschiedlich belichtet aufgenommen und die Bilder anschliessend am Computer zu einem Bild zusammengefügt. HDR Bilder sind je nach bearbeitungsart unrealistisch und farblich unecht. Wer im rechten Moment am rechten Ort ist und mit analogen Filtern umgehen kann, braucht kein HDR. Ich lehne HDR grundsätzlich als Art der Fotografie ab. Sämtliche Bilder der Galerie sind Einzelaunahmen und wurden mit analogen Filtern aufgenommen.

Die Créme de la Créme von 100‘000 Bildern

Wenn man die Galerie von Stefan Forster Photographie durchstöbert, wird man regelrecht erschlagen von einzigartigen Stimmungen und Landschaften in grandioser Farbenpracht.  Was man jedoch nicht sieht, sind die während Jahren entstandenen über zehntausenden Bilder, welche nicht dem gewünschten Niveau der Galerie entsprechen, man sieht keine Bilder jener hunderten Tagen, an jenen man stunden vor Sonnenaufgang Position bezogen und vergeblich auf den fantastischen Sonnenaufgang gewartet hat.

Der lange und erschwerliche Weg zum einen Bild

„Glück gehabt“ - jene Aussage ist es, welche ein Naturfotograf wohl nebst den Beschuldigungen bezüglich Photoshop und Wunderkamera am meisten hasst. Wer von der Landschafts- und Naturfotografie leben möchte, kann seine Bilder nicht dem Glück überlassen.
Es gibt Fotografen, die Ihr Bild bereits vor der Aufnahme im Kopf komponieren und teils Wochenlang auf diesen einen Moment warten. Andere haben die Kamera ständig bei sich und suchen täglich nach speziellen Stimmungen und Sujets. Sobald ein Fotograf mit fester Absicht das eine Bild zu schiessen gezielt danach sucht oder darauf wartet, zudem über längeren Zeitraum, spielt das Glück schlussendlich eine weit untergeordnete Rolle.

Die Geschichte hinter jedem Bild
Nehmen wir als Beispiel das Nordlichtbild auf der rechten Seite inmitten der Eisberge, entstanden in Island in der 5. Nacht am Jökulsarlon in Island. Es gibt eine ganze Reihe von Faktoren, die stimmen müssen, damit ein solches Bild entsteht. Einige wenige davon überlässt man dem Schicksal, den grossen Teil jedoch muss der Fotograf durch gezielte Planung und schliesslich viel Geduld selbst bewerkstelligen. Damit man sich etwas unter dem Bild vorstellen kann, muss man wissen, dass sich Nordlichter mit sehr hoher Geschwindigkeit bewegen und ein solch starkes Nordlicht gerade einmal 30-90 Sekunden zu sehen ist, bevor es weiterzieht oder sich auflöst. Ob das Nordlicht nun um 21.00 Uhr oder 04.50 Uhr auftaucht, kann nicht vorausgesagt werden. Somit muss man am Ort der Begierde bei bestenfalls minus 15 Grad Celsius übernachten. Zudem wird im 10 Minuten Takt geschlafen (Wecker 10min Intervall) und dies mehrere Nächte lang, bis der eine Moment kommt. Um sicherstellen zu können, dass man auch am richtigen Ort wartet, werden ständig die aktuellsten Satelliten- und Niederschlagsdaten betrachtet. Falls der Moment dann eintrifft (in meinem Fall in der 5. Nacht morgens um 02.34 Uhr) - geht dann alles sehr schnell und die Lichtmessung, der Bildaufbau und die Kameraeinstellungen müssen auf Anhieb perfekt stimmen.
 So verhält es sich bei 80% aller spektakulären Aufnahmen. Ein guter Fotograf wird zu jedem seiner top Bilder dessen Planung und Geschichte erzählen können.

Fazit - Fotografie im Wandel
Schuld an der sinkenden Wertschätzung der Arbeit eines Fotografen gegenüber sind mehrere Faktoren: 1. Die Bildmanipulation (Verändern von Farben und Inhalten einer Fotografie) ist bei heutigen Programmen wie Photoshop, Picasa, ACDSee, etc. kein Problem mehr und in vielerlei Hinsicht einfacher zu bewerkstelligen als die original getreue RAW-Entwicklung. Da jedoch viele Fotografen und Hobby-Fotografen ihre Bilder überbearbeiten, sprich manipulieren, geht man heute davon aus, dass dies bei allen Fotografen der Fall sei. - 2. Omnipräsente Kamerawerbungen in Zeitschriften und TV verbreiten unablässig die Nachricht - je teurer die Kamera, umso besser die Bilder. Immer mehr Automatikfunktionen in der Kamera sollen anscheinend das Fotografieren erleichtern und die Qualität steigern. Der erste sichtbare Effekt, der daraus resultiert, ist vor allem in der Gesellschaft der Berufsfotografen der Schweiz erkennbar. Trotz der massiv ansteigenden Anzahl Hobby- und Amateurfotografen ist die Anzahl der registrierten Berufsfotografen in der Schweiz seit rund 10 Jahren konstant, so der SBF Verband der Schweiz. Im Gegensatz zu weit zurückliegenden Zeiten in denen Fotografen alleine von der Fotografie leben konnten, hat sich in den vergangenen Jahren einiges verändert. Heute leben nur noch wenige Fotografen von Fotoaufträgen selbst. Beim grossen Rest macht die Fotografie nur einen kleinen Teil der Einnahmen aus. Der Hauptteil der Einnahmen resultiert heute aus Grafikaufträgen, Print- und Aufzieharbeiten, PR- und Werbeaufträgen, Videoaufnahmen- ,Bearbeitungen sowie Schnitt, Präsentationsaufträge (Keynote bis WingsPlatinum), Schulungen, etc. Um es auf den Punkt zu bringen; die Zukunft des Fotografen geht in eine Richtung, in der sich tausende von Teilzeitfotografen den Markt teilen und die hauptberuflichen Fotografen langsam aber sicher daraus verschwinden. Ob ein Markt, bestehend aus Halbprofis, die selbe Qualität imstande ist zu liefern, wie eine Gruppe spezialisierter Profis, ist fraglich.

Preissturz in der Landschafts- und Naturfotografie
Die Honorarpreise, welche heutzutage von den Verlagen für ein Kalenderbild bezahlt werden, sinken langsam aber stetig ins Bodenlose. Einerseits möchten die Kunden Bilder in ihren Kalendern, die sie 30 Tage lang im Monat faszinieren, andererseits darf ein Bild, dessen Aufnahme mehrere Tage Zeit, teure Flüge, unbezahlbares Equipment und mehrjährig angeeignetes Fachwissen vorraussetzen, keine 100 Euro mehr kosten. Es liegt an den Fotografen, diesen Preissturz zu unterbinden! Doch solange namhafte Grossbildagenturen wie Imagepoint, Fotolia, etc. Bilder bei Hobby- und teils gar Berufsfotografen für den Preis eines Butterbrotes einkaufen können, so lange
werden die Preise weiter stürzen. Das beste Erfolgsrezept eines Fotografen wird jedoch immer das Selbe bleiben; Das Aufnehmen von einzigartigen Bildern, welche einen solch persönlichen Stil besitzen, dass sie unverwechselbar dem einen Fotografen zugeordnet werden können. Die Preise von Anfang an hoch anzusetzen, dass nicht von Beginn an das Siegel eines Budgetfotografen getragen werden muss. Bilder limitiert, in hoher Qualität und keineswegs unter Wert verkaufen. Es liegt einzig und alleine an den Fotografen, die Wertschätzung an dieser wundervollen Leidenschaft wieder zu stabilisieren und der Öffentlichkeit zu zeigen, welchen Aufwand, welche Gabe und welche Professionalität hinter einem fantastischen Bild steckt.

Stefan Forster, Fotograf SBF